So lernst du Nein sagen im Job

Nein sagen ohne Schuldgefühle!

Wer im Job Nein sagen kann, wird mehr respektiert und profitiert in der Karriere davon. Aber wie sagt man zu Kolleg:innen und Vorgesetzten Nein, ohne jemanden zu kränken? Und ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Das erfährst du hier!

Warum es dir hilft, wenn
du Nein sagen kannst

Bestimmt kennst du Situationen wie diese: Du bist in deiner Arbeit mit einer wichtigen Aufgabe beschäftigt, die du dringend abschließen musst. Auf einmal kommt ein Kollege zu dir und bittet dich, ihm “jetzt gleich” bei etwas zu helfen, weil “du das ja so gut kannst”.

Oder du führst gerade ein wichtiges Telefonat, während deine Kolleginnen vor deinem Arbeitsplatz stehen und dir Stress machen, damit du mit ihnen “endlich” Mittagessen gehst.  

 

Im Einzelfall kannst du diese Situationen sicher gut bewältigen und kompensieren. Wirst du in deiner Arbeit aber zu oft unterbrochen, abgelenkt oder von anderen beansprucht, hat das Konsequenzen: Deine Produktivität, die Qualität deiner Arbeit, deine Stresswahrnehmung und dein Wohlbefinden werden zunehmend darunter leiden. 

 

Ein „Nein“ kann dir helfen, gesunde Grenzen zu setzen:

 

  • Du hältst deine Prioritäten ein
  • Du achtest auf deine Bedürfnisse
  • Du kannst dich auf das konzentrieren, was dir wichtig ist
  • Du schützt dich vor zusätzlichem Stress
  • Du stärkst deine Selbstachtung und dein Selbstbewusstsein 
  • Du baust ausgewogene Beziehungen auf

 

Kannst du deine eigenen Bedürfnisse und Prioritäten durchsetzen, werden dich Kolleg:innen, Vorgesetzte und Geschäftspartner:innen mehr respektieren!

So lernst du, Nein zu sagen

Anfangs kann es schwierig sein, anderen eine Bitte oder einen Wunsch abzuschlagen. Vor allem, wenn du befürchtest, dass sich das auf deine Beurteilung oder deine Beliebtheit auswirken könnte. 

 

Mit ein wenig Übung lernst du, Nein zu sagen, ohne dich dabei schuldig oder unangenehm zu fühlen. Es geht natürlich nicht darum, anderen immer die kalte Schulter zu zeigen oder durch eine Verweigerungshaltung aufzufallen! Vielmehr kommt es darauf an, deine persönlichen Ressourcen so zu schützen, dass du deine eigenen Aufgaben gut und stressfrei bewältigen kannst. 

 

Denn: Hast du deine eigenen Projekte im Griff, kannst du mit gutem Gewissen auch zusätzliche Aufgaben übernehmen – ohne, dass du oder deine Arbeit Abstriche machen müssen.

3 Schritte zum NEIN Sagen

Schritt 1: Achte
auf deine Kapazitäten

1.1 Aufgaben delegieren

Setze Prioritäten und teile deine To-Dos nach Wichtigkeit und Dringlichkeit ein (Link auf Beitrag “besseres Zeitmanagement”). Sind deine dringenden Aufgaben zu zahlreich, um sie in der möglichen Zeit zu schaffen, solltest du sie rechtzeitig abgeben. Es gibt immer jemanden, der für dich übernehmen oder dich unterstützen kann!

 

Beantworte diese 5 Fragen, um einzuschätzen, ob du eine Aufgabe delegieren kannst:

  1. WAS genau ist die Aufgabe?
  2. WARUM ist diese Aufgabe wichtig?
  3. WIE kann diese Aufgabe erledigt werden?
  4. WANN muss diese Aufgabe abgeschlossen sein?
  5. WER kann dich unterstützen oder für dich übernehmen?

1.2 Achtung
vor der Gefälligkeitsfalle

Sagst du nur Ja, weil du Angst hast, Nein zu sagen?

Auch wenn die Anfrage dich überfordert, überlastet oder Überstunden bedeutet?

Dann bist du vielleicht in die sogenannte “Gefälligkeitsfalle” getappt. Sie versteckt sich häufig sehr geschickt in deinem Arbeitsalltag: Sind dir Kolleg:innen oder Vorgesetzte wichtig oder verbindet euch ein freundschaftliches Verhältnis, fällt es viel schwerer, ihnen eine Bitte abzuschlagen. Du willst ja weiterhin gut mit ihnen auskommen.

Aber: Immer Ja zu sagen, kann dich in deiner Karriere behindern!

Denn, wenn du immer Ja sagst…

… wirst du weniger ernst genommen

… fällt es dir immer schwerer, dich durchzusetzen

… wirst du häufiger ausgenutzt

… machst du dich abhängig von der Meinung anderer

… überlastest du dich systematisch selbst

1.3 Do’s & Don'ts beim Nein Sagen

Beim Nein-Sagen gibt es 6 Tricks, um dein Gegenüber nicht vor den Kopf zu stoßen: 

1. Höre dem anderen zu, unterbrich ihn/sie nicht und lass ihn/sie aussprechen.

2. Gib deinem Gegenüber die Bestätigung, verstanden worden zu sein.

3. Formuliere eine nachvollziehbare Ablehnung und begründe diese kurz.

4. Bleib höflich und respektvoll, auch wenn die Anfrage unverhältnismäßig war.

5. Achte darauf, nicht laut zu werden oder beleidigt zu wirken – das wirkt aggressiv und unreif.

6. Vermeide Aussagen, die dich schwächer wirken lassen, wie “Immer ich“, “Schon wieder”, “Nie kann ich” etc.

Schritt 2: Zu Kolleg:innen Nein sagen

Deine Mitarbeiter:innen kommen immer wieder mit Wünschen oder Ablenkungen zu dir. Je freundschaftlicher euer Verhältnis ist, desto eher wirst du dich darauf einlassen, auch wenn du es eigentlich nicht willst. 

Hier sind 3 Tipps, wie du zu deinen Kolleg:innen Nein sagst, ohne Nein zu sagen.

Für ein einfacheres Verständnis geben wir symbolische Antworten für typische Arbeitssituationen.

Um Verständnis bitten

  • „Ich verstehe deine Lage, aber ich kann im Moment keine Minute entbehren, weil ich selber im Stress bin.“
  • „Ich weiß, das wird dich jetzt enttäuschen, aber ich kann das dieses Mal leider nicht übernehmen. Nächstes Mal kannst du gerne wieder zu mir kommen.“
  • „Ich verstehe deine Situation, aber ich kann dir dabei dieses Mal nicht helfen, weil mir gerade diese andere Aufgabe übertragen wurde.“

Konsequent bleiben

  • „Ich freue mich, dass du mich fragst, aber dieser Abend/ dieses Wochenende gehört meiner Familie.“
  • „Ich habe vorhin jemand anderem meine Hilfe versprochen. Ich bitte um Verständnis, dass ich nicht noch mehr übernehmen kann.“
  • „Ich helfe dir gerne – aber nicht bei diesem Projekt, denn es übersteigt meine Kompetenzen/ Fähigkeiten/ zeitlichen Möglichkeiten.”

Kolleg:innen bestärken

  • „Ich verstehe, dass du dich bei der Aufgabe unsicher fühlst. Aber ich weiß, dass du das schaffst. Versuche es erstmal selbst, helfen kann ich später immer noch.“
  • „Ich weiß, dass das nicht in deinen Aufgabenbereich fällt, aber wenn du es trotzdem machst, profitierst du davon, weil…“
  • „Fang doch einfach schon mal an, ich komme dazu, wenn ich mit meiner Aufgabe fertig bin.“

Schritt 3: Zu Vorgesetzten Nein sagen

Das Pro-Level! So sagst du zu deinem Chef oder deiner Chefin Nein, ohne Nein zu sagen:

Für ein einfacheres Verständnis geben wir symbolische Antworten für typische Arbeitssituationen.

Biete Alternativen an

„Ich habe leider nicht die Zeit, bei der Präsentation dabei zu sein. Aber ich helfe Ihnen gerne dabei, die Folien dafür aufzubereiten.“

Verdeutliche mögliche Folgen

„Danke, dass Sie mir so viel Vertrauen entgegenbringen. Ich muss Sie aber darauf hinweisen, dass sich der Abgabetermin von Projekt X nach hinten verschieben wird, wenn ich diese Aufgabe zusätzlich übernehme.”

Äußere begründete Bedenken

„Ich bin zurzeit enorm eingespannt, sodass ich diesem Projekt nicht die Aufmerksamkeit widmen kann, die es verdient hat. Das würde dem Ergebnis schaden.“

Erinnere an bestehende Vereinbarungen

„Wir hatten verabredet, dass das andere Projekt unbedingt Vorrang hat. Soll ich das dafür zurückstellen?“

Bitte um Unterstützung

„Sie wissen, ich arbeite gerade an den Projekten X und Y. Um diese beiden und das Zusatzprojekt ordentlich erledigen zu können, brauche ich Unterstützung.”

Sag ja, aber definiere eine realistische Frist

„Ich kümmere mich gerne darum – bis Ende der Woche/ bis *DATUM* habe ich das erledigt.“

TIPP

Wie du in schwierigen Situationen mit Kund:innen und Geschäftspartner:innen umgehen kannst, verraten wir dir demnächst in einem eigenen Blogbeitrag.

Stay tuned!

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